„Willkommen“: Preview-Lesung und Gespräch mit Herausgebern und Bloggern am 29. November in der LettrĂŠtage Berlin.

Datum: 25/11/2015
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Kategorien: Rezensionen

„Willkommen“: Die persĂśnlichsten Texte deutschsprachiger Blogger.

 

Mit Beiträgen von Mareice Kaiser, Juna Grossmann, Tania Folaji, Karen Scholz, Aboud Saeed, Lucie Marshall, Frank Stauss, Wulf Kreutel u.v.a.

Herausgegeben von mikrotext.de

 

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Preview-Lesung und Gespräch mit Herausgebern und Bloggern am 29. November in der LettrÊtage Berlin.

 

ISBN 978-3-944543-28-4

Buchcover: „Willkommen“. Blogger schreiben fĂźr FlĂźchtlinge. Erscheint Anfang Dezember 2015 ca. 300 Seiten auf dem Smartphone, mit Fotos der Blogger, 4,99€ ISBN 978-3-944543-28-4 Hg. von Katharina Gerhardt, Caterina Kirsten, Ariane Novel, Nikola Richter, Frank O. Rudkoffsky, Eva Siegmund

 

Inhalt

Kein Thema bewegt uns derzeit mehr als die vielen Menschen, die sich auf den weiten Weg gemacht haben, auf der Flucht vor Krieg, Armut, Krankheit, Folter, Hunger, Tod. Das klingt abstrakt, ist aber, wenn man den Menschen begegnet, die alles aufgegeben haben, eine sehr direkte Erfahrung, nach der man nicht mehr wegschauen kann.

Die Geschichten, Meinungen und Statusmeldungen, die in diesem E-Book versammelt sind, öffnen dem Leser die Augen, jede auf ihre Art. Da ist der Münchner Karim Hamed, der in einem Auffanglager auf Arabisch mit den Menschen spricht und uns ihre Gedanken lesen lässt. Da ist Stefanie Sargnagel, die böse, aber hochkritisch ihren Blick auf die linke Gutmenschenriege knallen lässt. Und da ist Anke Domscheit-Berg, die von ihren Flüchtlingsvorfahren erzählt. Lesen Sie, wie viele Menschen ein Herz haben und zeigen. Über 50 Texte. Über 50-mal Willkommen!

 

Hintergrund

Die Blogger Paul Huizing, Nico Lumma, Karla Paul und Stevan Paul riefen Ende August 2015 die Crowdfunding-Aktion Blogger fĂźr FlĂźchtlinge ins Leben, um Spendengelder zu sammeln und Aufmerksamkeit fĂźr die vielen Menschen, die in Not nach Europa kommen, zu generieren. Seitdem haben sich zahlreiche Blogger fĂźr diese Aktion engagiert, Ăźber sie berichtet, das Thema Flucht reflektiert und den Hashtag #BloggerfuerFluechtlinge viral verbreitet.

Gestartet mit einem Spendenziel von 5.000 Euro sind inzwischen weit ßber 130.000 Euro fßr die Flßchtlingshilfe zusammengekommen. Das E-Book soll eine Sichtbarmachung dieser Solidarität sein, ein deutliches Zeichen, dass die Hetzer nicht die Mehrheit sind. Sämtliche ErlÜse aus dem Verkauf des E-Books werden gespendet. Das Papierschiffchen auf dem Cover ist ßbrigens das Logo der Crowdfunding-Aktion. Entworfen hat es Tollabea.

 

 

News 

Preview-Lesung und Gespräch mit Herausgebern und Bloggern am 29. November in der LettrÊtage Berlin.

Am 02.12 Release des e Books

03.12. 15 auf Platz 2 der Amazon Besten e-Book Neuerscheinungen (!)

 

„Statt Mitleid herrscht Empathie.“ Unsere Blogger-Anthologie „Willkommen!“ wird im BĂśrsenblatt vorgestellt: http://fb.me/4ukn3LV4a     (03. Dezember 2015)

 

Interview mit Mikrotext – Verlegerin Caterina Kirsten zu #bloggerfuerfluechtlinge! http://www.myfanbase.de/literatur/kolumnen/?pid=22634&utm_medium=post&utm_source=twitter&utm_campaign=mFb-Twitter … @mkrtxt

 

Bezugsquellen, Rezension, Preis, Ranking (Platz 2 am 03.Dez.2015) und Produktinformationen (Amazon) hier

 

 

„Willkommen“ – AuszĂźge:

Es ist richtig, dass nicht jeder in einer Kriegsregion sofort Zugang zu Elektrizität und technischem ZubehĂśr hat. Aber viele eben doch. Dort, wo Militär ist, ist immer auch Strom. Liegt in der Natur der Sache. Es gibt einfach auch mehr Waffen, als Brot. Liegt auch in der Natur des Krieges. Sprich, es ist tatsächlich einfacher, ein Smartphone aufzuladen, selbst an der Batterie eines ausgebrannten Jeeps, als Trinkwasser zu besorgen (Das ist dann im ausgebrannte Jeep schnell weg). Wo die WLANS herkommen? Aus der ersten Welt. Alleine vor den KĂźsten Togos, Somalias, Ghanas und Libyens liegt soviel angestrandeter, von mafiĂśsen MĂźlltransportern aus Europa billig verklappter Elektroschrott, dass in der Tat jeder Einwohner ein Handy hat, aber eben keine Flasche Wasser. (…) Kurz: Wir werden auf diesem Planeten irgendwann verhungern, aber davon gibt es dann wenigstens schĂśne letzte Aufnahmen… (aus: Überall.Front! von Wulf Kreutel) 

… Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, nur ein Oberteil und eine Hose für das eigene Kind zu haben und auch für sich selbst nicht mehr. Ich weiß nicht, wie es ist, mit einem gehbehinderten vierjährigen Kind flüchten zu müssen, ohne Kinderwagen. Ich weiß nicht, wie es ist, nicht mehr selbst für das eigene Kind sorgen zu können, ständig auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein. Ich weiß nicht, wie es ist, draußen schlafen zu müssen, tagelang auf eine Registrierung warten zu müssen. Ich weiß nicht, wie sich echter Hunger anfühlt. Das alles weiß ich nicht – aber ich habe es gesehen … (aus: Was ich nicht weiß von Mareice Kaiser)

… Wir reden von Fachkräftemangel, die Betriebe klagen über zu wenig Auszubildende. Wir leben in fetten Jahren, machen uns Gedanken, wo wir das letzte Erbe am besten investieren, das Haus verkaufen oder behalten, und vergessen so schön bequem, dass es nicht immer so war und nicht immer so bleiben muss. Die Sicht auf die, denen es nicht so geht, wird immer verschwommener, man schaltet ab, will „das Elend nicht sehen“, hat Angst um seine Pfründe. Angst, immer wieder diese „Deutsche Angst“, vor nichts, schon vorsorglich, man weiß ja nie … (aus: Deutsche Angst von Juna Grossmann)

… Meine Großmutter wurde zur unbedingten Pazifistin, weil sie nie wieder hungern wollte. Eine, die aus Angst vor dem nächsten Versorgungsengpass immer auf der Lauer war, die zu jeder Tageszeit wusste, wo ihr Ausweis war, die nicht Banken, sondern der Matratze ihr Erspartes anvertraute. Und weil sie lange Zeit ihres Lebens gedanklich stets auf gepackten Koffern saß, hatte das Auswirkungen auf ihr Denken, auf ihre zentrale Theorie von Frieden: Wir hatten nichts und nüscht und nix. Mit Luft kannst du kein Brot belegen. Ruhe und Frieden ist ein gedeckter Tisch. Und dafür bin ich … (aus: Krieg und Frieden und Nahrung von Tania Folaji)

… Da sind Menschen, mitten in der Nacht, 700 StĂźck, auf einem kleinen, kaum seetĂźchtigen HOLZBOOT. Mitten auf dem Mittelmeer. Unter ihnen Hunderte Meter Wasser, sonst nichts. NICHTS. Genau so viel, wie sie noch haben. Familien in zerbombten Straßen, verfolgt und vom Tode bedroht. Frauen mit weinenden Babys auf dem Arm – kleine Kinder, die vielleicht gestern noch in Bangladesch eure drei Euro PRIMARK-Shirts in giftige Farbe getaucht haben. […] Diese Menschen haben alles verloren, die machen keine lustige Hafenrundfahrt aus Bock schĂśn eng aneinander gedrängelt, weil’s dann umso mehr fetzt. … (aus: Der FlĂźchtling klaut mir meinen Fernseher von Karen Scholz)

… Ich liebe die Vielfalt dieser Stadt. Ich liebe die vielen MĂśglichkeiten, die sie mir schenkt. Sie ist aufregend, wie sie sagen. Die Vernachlässigung, die sie schmĂźckt, gefällt mir. […] Ich verliebte mich leidenschaftlich in Techno. Ich interessiere mich fĂźr Straßenkunst. Ich liebe die Graffiti auf den Mauern. […] Ich liebe die Polizei und vor allem den Polizisten, der mir wie ein normaler BĂźrger ein Feuerzeug gibt, wenn ich ihn darum bitte. Hier kannst du den Polizisten nach der Straße fragen und nach der Musik, die er liebt. Ohne dass er dich ins Gefängnis wirft. Ich habe mich in Deutschland selbst gefunden. Das verlorene Ich äußert sich hier in seinem schĂśnsten Zustand. In der U-Bahn betrachten mich Musiker, während sie spielen. Und dann spielen sie ausschließlich fĂźr mich. … (aus: Was machst du hier? von Aboud Saeed)

… Ich weiß nicht, wie lange unsere Jungs in Berlin bleiben. Sie mĂźssen heute wieder zum LAGeSo, aber solange nicht klar ist, was mit ihnen passiert, bleiben sie. Sie sind erschĂśpft, sie gehen nervlich auf dem Zahnfleisch. Sie haben alles hinter sich gelassen, das Geld reichte nur fĂźr die drei. […] Dieses Wochenende mit unseren Gästen ist eine riesige Bereicherung. Nicht nur, weil sie mit Sam und Greta im Hof Wikinger spielen und sich fĂźr die Kinder zum Horst machen und es lieben. Teilen macht glĂźcklich, helfen sowieso. Die Dankbarkeit, die uns entgegenfliegt, beschämt mich. Wir geben so wenig im Vergleich zu dem, was sie riskieren … (aus: Drei pakistanische Jungs bei uns von Lucie Marshall)

… Es ist Zeit, den jungen Menschen, die in Sachsens DĂśrfern pĂśbeln und spucken, zu sagen: Was machst du Depp denn noch hier, wenn du keine Zukunft hast? Du bespuckst FlĂźchtlinge, die Tausende von Kilometern zu Fuß hinter sich gebracht haben? Aber selbst schaffst du es nicht einmal von Heidenau nach Ingolstadt oder nach MĂźnchen oder nach Stuttgart oder andere Städte, in denen sie händeringend nach Leuten suchen? Was bist du denn fĂźr ein antriebsloser Vollpfosten! Wie? Bei Mama ist schĂśner? Aber dann noch auf andere herabsehen wollen. Wie erbärmlich. […] Es ist Zeit fĂźr eine glasklare Haltung. Kein Wackeln. Kein Zaudern. Kein ZĂśgern. Die Menschen in Deutschland wollen in ihrer Ăźberwältigenden Mehrheit, dass die Menschlichkeit gewinnt. Sie empfinden durchaus, dass das eine große Aufgabe ist. Aber sie wollen, dass sie gelingt. Sie wollen stolz sein, auf das andere Deutschland … (aus: Es ist Zeit von Frank Stauss)

Über die Herausgeber

Katharina Gerhardt, geboren 1968 in Chicago, hat Germanistik, Romanistik und Philosophie studiert und im Belletristiklektorat des S. Fischer Verlags gearbeitet. Heute ist sie als freie Lektorin, Moderatorin und Universitätsdozentin in Hamburg tätig, wo sie u.a. das Onlineportal Oetinger34 mit aufgebaut hat.

Caterina Kirsten, 1985 in Erfurt geboren und auf Rßgen aufgewachsen, hat Italienische Philologie, Komparatistik und Verlagskultur studiert und arbeitet seit 2011 in der Frankfurter Literaturagentur copywrite. Zudem ist sie als freie Lektorin und Redakteurin tätig und betreibt den Literaturblog SchÜneSeiten.

Ariane Novel, geboren 1984 in der Nähe von Zßrich, hat in Berlin und Mßnchen Komparatistik und FranzÜsische Philologie studiert. Nach weiteren Stationen in Montpellier, Zßrich und Wien lebt sie heute in Mßnchen, wo sie als Sachbuchlektorin bei Droemer Knaur arbeitet.

Nikola Richter, geboren 1976 in Bremen, hat Germanistik, Anglistik und Komparatistik studiert. 2013 grßndete sie den Digitalverlag mikrotext. Ein Schwerpunkt ihres Verlagsprogramms sind literarische Texte zu aktuellen Debatten, sehr häufig auch im Netz entstandene Texte. 2014 wurde sie fßr ihre Arbeit mit dem Young Excellence Award des BÜrsenblatts ausgezeichnet. Auf der schriftstelle bloggt sie ßber E-Books.

Frank O. Rudkoffsky, geboren 1980 in Nordenham, hat Allgemeine Rhetorik, Neuere Deutsche Literatur und Politikwissenschaft studiert. Derzeit lebt er in Stuttgart als Autor und Mitherausgeber der Literatur- und Kunstzeitschrift ]trash[pool. Im Herbst 2015 erschien sein Debütroman Dezemberfieber beim Verlag duotincta. Außerdem bloggt er auf www.rudkoffsky.com über Literatur und sein eigenes Schreiben.

Eva Siegmund, geboren 1983 im Taunus, stellte ihr schriftstellerisches Talent bereits in der 6. Klasse bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb unter Beweis. Nach dem Abitur entschied sie sich zunächst fur eine Ausbildung zur Kirchenmalerin und studierte dann Jura an der FU Berlin. Nachdem sie im Lektorat eines Berliner HÜrverlags gearbeitet hat, lebt sie heute als Autorin mit ihrem Mann in Barcelona.

 


ISBN 978-3-944543-28-4

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