Of cats and dogs: „Sänk ju vor träwellin with Deutsche Bahn“

Datum: 15/06/2016
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Kategorien: Reportagen

LogBuch  – Eintrag vom Montag, 13. Juno 2016, Ort: Im ICE zwischen Leipzig und Fulda. Betreff: „STINKSAUER!!!! 😡😡😡😡“

 
Was und vor allem wie es eben gerade passierte, was mich kĂźnftig trotz Stress, Baustellen und Wetterchaos wieder Auto fahren und den Zug vermeiden läßt, damit meine kleine Bodeguero – HĂźndin Saray und ich keine WillkĂźr durch unfreundliches Bahnpersonal (und das ist die kleine, aber nervende Ausnahme) mehr ertragen mĂźssen.

Was war passiert?

Gerade unterhielt ich mich mit meiner in Leipzig zugestiegenen Sitznachbarin, Frau Agnes Böttcher, die ihre Kinder und Enkel nahe München besuchen fuhr. Nebendran die Sitznachbarin fragte, ob sie den Hund mal streicheln oder nehmen könne, denn sie hätte erst vor kurzem eine Katze in ihrem Garten bei Ingolstadt gehabt, die ähnlich groß (bzw. klein) war.  Alle ins Abteil kommenden Zugbegleiter freuten sich, einen so kleinen, braven und tief schlafenden Hund zu sehen.

Außer dem 3. Schaffner heute, im ICE1683 von Berlin nach München. Der fragte gleich nach der Zugfahrkarte für den Hund. (Siehe das in diesen Beitrag eingefügte Foto) Ich antwortete, der Hund säße auf meinem Schoß, da es in seiner Reisetasche derzeit zu warm sei. Das Abteil war nicht klimatisiert und die schwülwarme Luft setzte allen Reisenden etwas zu. Nicht ganz so schlimm, aber für einen Hund in einer Tasche schon, weil sich darinnen, verbunden mit der Eigenwärme, die Hitze staut. Der Fahrkartenkontrolleur antwortete, die hier beigeführte Hundereisetasche hätte er eh nicht als Reisetasche akzeptiert, da der Hund größer als eine Katze sei.

Tierischer Ernst: Von Katzen, Hunden und Korinthenkackern

Daraufhin erwiderte die Sitznachbarin rechts, daß ihre Katze größer wäre. (Katzengrößen mit  Jack Russel – Terrier GrĂśssen vergleichen, ist wirklich etwas, das an Haarspalterei grenzt). Aber: Die Tasche wäre eine Katzentasche und daher zu klein fĂźr einen Hund (in Katzengröße) Das wäre also Tierquälerei in der Tasche. „Ich müßte also mit einer Anzeige von einem Tierarzt rechnen, wenn der Hund, wie vorgesehen, tatsächlich in der Tasche säße.“ Wegen der Größe (die die vorgeschriebene Größe fĂźr Hundetransporte auch im Flugzeug ist, mit der der Hund, seitdem er bzw. sie, als HĂźndin, seit 6 Jahren reist und seitdem sie ausgewachsen ist.) „Die Temperatur wäre nicht so wichtig“. Sagte der Zugbegleiter! Aha!

Weil sie als Hündin aber keine Tasche hat, in der sie während der Fahrt zu sitzen hat, so sein Argumentationsfaden, muss sie den vollen Fahrpreis zahlen! Weil sie nun außerhalb der Tasche aber einen Maulkorb braucht, auch noch ein weiteres Problem! Da müßte sie. ohne Maulkorb, eigentlich den Zug verlassen, wegen Gefahr für die Mitreisenden, laut REISEBESTIMMUNGEN.

Leider gibt es fĂźr so kleine Hundeschnauzen keinen Maulkorb, was den Herrn Schaffner nicht interessierte, indem er meinte, „das wäre nicht sein Problem“. Aber wenn ich den vollen Preis zahle, dann kann er Ăźber den Maulkorb mal hinwegsehen.  Ich fragte nach dem Preis:  „Den vollen Preis, weil sie keine BahnCard hat“ (Staunen!) und gleich nachsetzend:  „…die sie  im Übrigen nicht bekommen kann, weil sie ein Tier und keine Person ist.

Sie hat also als Hündin, egal wie klein oder wie groß, außerhalb ihrer Reisetasche einen Sitzplatz zu zahlen. Aber einen Sitzplatz bekommt sie dennoch nicht. Deswegen bleibt sie auch auf meinem Schoß! Es eröffnet sich, näher betrachtet, langsam die Frage, wer hier eigentlich einen Maulkorb bräuchte, aber nun gut.

Reise durch Absurdistan, in der Zusammenfassung:

Also, Saray, diese kleine 7kg HĂźndin zahlt , auf meinem Schoß sitzend, mit 72,50 € Preis Berlin MĂźnchen also mehr als ich mit meinen 80kg, der „nur“ 65,- € plus Reservierung zahlte ? Darf dabei keinen Sitz haben. Aber wenn sie in ihrer beigefĂźgten Transporttasche sitzt, zahlt sie nichts. Da durfte sie aber nicht rein, bzw. wieder zurĂźck, weil sie ja schon draußen war. Wegen der Hitze im Abteil, die in der Tasche noch viel schlimmer ist. Weil sie aber draußen war, gilt sie als Fahrgast und muss den vollen Preis zahlen…!

Das gesamte Abteil bekam diesen Vortrag des Zugbegleiters mit, der bereits der Dritte im Abteil war, der uns heute kontrollierte, doch der Erste, der sich flugs befleißigt fühlte, hier in Sachen Hundetransport ordnend und mahnend einzugreifen.

Leider zu nĂźchtern…?

Das Ganze mit einer Haltung und Bestimmtheit des Zugbegleiters, als hätten wir, also die HĂźndin Saray und ich, uns samt und sonders wie eine betrunkene Rockband oder grĂślende Fußballrowdys verhalten. Dem war aber nicht so, denn wir waren in das Gespräch mit unseren Sitznachbarn vertieft…was wohl rĂźckblickend auch der Fehler war, denn erstens signalisierten wir keine Gefahr und zweitens, daß uns der Besuch des Zugbegleiters nicht groß im Gesprächsfluss aufhielt. EmpĂśrend, eine Respektsperson im Sog freudiger Reiselust inmitten seines Zuges so zu ignorieren.

ER zßckte sofort das Kreditkartenzahlgerät, mahnte dies und monierte jenes, stets mit Blick auf die Fahrgastrechte und-pflichten und Reisebestimmungen, Paragraph hier und Artikel dort. Das Ganze, noch einmal, mit einer Haltung, Gestik und Mimik, die an derzeit ähnlich dßnnhäutige Staatschefs jenseits des Bosporus erinnerte: Humor Null. Empathie etwa 1 Grad Kelvin und stets eine Antwort parat, warum eben dieses und jenes nicht ginge.

Darob aufgebracht uns sichtlich irritiert,  protestierte nach und nach das gesamte Abteil, also alle und umgebenden Fahrgäste. Und ich meine wirklich alle sechs im Abteil.  Der Bahnbedienstete erhob den Zeigefinger und wies darauf hin, daß sich auch Tierliebhaber im Interesse aller Mitreisenden und zum Schutze derselben an die REISEBESTIMMUNGEN zu halten haben, egal wie groß oder klein der Hund sei. Die im Abteil versammelten Mitreisenden ermahnten flugs den Herrn Schaffner und erklärten, daß der kleine Hund nun wirklich nicht stĂśre, im Gegenteil, da sie einander gerne den Hund auf den Schoß nehmen mĂśchten (was sie sogleich taten) und was das hier fĂźr eine Machtdemonstration darstellen solle. Ich sagte gar nichts mehr, denn meine Mitreisenden, Rentnerinnen, Studenten, MĂźtter und ein junger Mann sprachen und stritten fĂźr mich und blieben auf meiner Seite – zwecklos.

FĂźnf Minuten Macht

Dazu der eng zugeknĂśpfte Uniformierte, die Situation um so mehr genießend, als die Mitreisenden in unserem Sinne protestierten: „Sie kĂśnnen den Hund beim nächsten Halt raussetzen, oder Zahlen. Ihre Wahl! Und wir akzeptieren nur Bargeld oder Kreditkarte, kein EC. Kreditkarte kostet aber GebĂźhr. Wenn Sie kein Bargeld haben, mĂźssen Die den Zug verlassen. Ihre Wahl!“Freundlich wie ein Herd Staphylokokken, der Mann…die Coaching Offensive „Servicefreundlichkeit bringt also richtig was…!“

Das bedeutet , zwei Personen mit BahnCard und Spezialpreis zahlen zusammen weniger für die gleiche Strecke am gleichen Sitzplatz , als ein kleiner Schosshund? Ich zahlte einen Sparpreis mit BahnCard von 60,- € plus Reservierung. Bin BahnCard 25 Inhaber. Meine Frau neben mir auch. Der Hund auf dem Schoss, welcher, außer uns beiden, niemanden berührt, mit beigeführter Decke nicht mal Sitz noch Boden berührt. Dazu Kurzhaar. Aber egal: So eine Willkür!

 

Kermit klagt ßber Klugscheisser! ŠJim Henson. Sesame Street, Muppets

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Das ist kein NachlĂśsen eines Tickets gewesen, sondern statuierte ein Exempel, eine Bestrafung von tierliebenden Fahrgästen –  dann bitte Tiere gleich ganz in der Bahn verbieten, so dass Autobahn und Flugzeug von vornherein gewählt werden kĂśnnen. Spart Zeit und Geld und Nerven!

Flexibilität in privatisierten ehemaligen Staatsunternehmen. Ein trauriges Endlosthema. In Zukunft also brauchen wir die BahnCard nicht verlängern, obwohl wir jahrelang gern Bahn zum Pendeln Berlin MĂźnchen fuhren und in 5 Jahren insgesamt 20.000€ fĂźr die Bahn ausgaben. FĂźr das Unternehmen „Bahn“ vielleicht nicht viel Geld. FĂźr den normalen Reisenden schon. Danke und TschĂźss! Das war’s!

Die Aufregung ging noch bis nach NĂźrnberg weiter. Saray nahm mal auf diesem, mal auf jenem Schoß Platz und bedankte sich mit sanftem Schlecken. Bei Ingolstadt kam dann die vierte oder fĂźnfte Zugbegleiterin ins Abteil und fragte, wem denn der niedliche kleine Hund gehĂśre – darauf hin, filmreif und unisono alle Reisenden:

„UNS!“

 

 

Š Fotografie: Daniel Khafif  – „HĂźndin Saray und Sitznachbarin Frau Agnes BĂśttcher (Name geändert)“

Saray, die kleine Hßndin, verängstig und getrÜstet im Arm ihrer Sitznachbarin, Frau BÜttcher, im Zug.
Saray, die kleine Hßndin, verängstig und getrÜstet im Arm ihrer Sitznachbarin, Frau BÜttcher, im Zug.

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